TRANSFOMATION - Beyond Imagination

 

Ein Kettenkarussel im Kühlturm eines Kernkraftwerks, ein Maratonlauf unter Tage im Salzbergwerk, eine Photovoltaikanlage mitten auf der Landbahn eines Militärflughafens, ein Campingplatz mit Strand in der Ausfahrt eines U-Bootbunkers, Spaziergänger auf dem Todesstreifen der deutsch-deutschen Grenze. TRANSFORMATION - Beyond Imagination - Jenseits der Vorstellungskraft derjenigen, die diese Anlagen geplant und gebaut haben.

 

Die Arbeiten zeigen große, die Landschaft prägende Objekte, die für ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr benötigt werden. Was ist geschehen? Einige werden einem neuen Nutzen zugeführt, es werden positiv Werte geschöpft. Beispiele sind der Berliner Cityairport Tempelhof, der nach seiner Schließung für den Luftverkehr nun als großes Erholungsgebiet für die Öffentlichkeit zugänglich ist,  die Oldenburger Airbase, die jetzt ein großes Photovoltaik-Gebiet ist und zu einer Smart City ausgebaut wird, das ehemals als Schneller Brüter geplante Kernkraftwerk Kalkar, welches jetzt als Wunderland Kalkar ein Freizeitpark ist.  

 

Andere können aufgrund ihrer Struktur weder wiederverwendet noch rückgebaut werden. Ein Beispiel ist der Bremer U-Boot-Bunker Valentin, der im Zweiten Weltkrieg von Tausenden von Zwangsarbeitern gebaut wurde, nie benutzt wurde und heute als Denkstätte eine Landmarke in einem ansonsten entspannten Erholungsgebiet ist. Mit dieser Gruppe bezüglich der neuen Nutzung eng verwandt sind Konstruktionen von historischer Bedeutung, die vollständig demontiert werden könnten, jedoch als Denkmal für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen dienen sollen. Ein Beispiel ist die deutsch-deutsche Grenze mit Kontrolltürmen, Mauern und Stacheldraht, oder Bürogebäude in Frankfurt, deren Außenwände erhalten bleiben, um als Kulturwert das Stadtbild der 60er Jahre zumindest teilweise zu erhalten, während innen gleichzeitig ein völlig neues und modernes Gebäude entsteht. 

  

Kalkar: Schneller Brüter - Wunderland

Im April 1973 begannen die Bauarbeiten eines Kernreaktors in Kalkar. Es war der Prototyp eines Natriumgekühlten Reaktors vom Typ Schneller Brüter. Mit diesem Typ sollte dem damals für das Jahr 1988 prognostizierten Ende der verfügbaren Uran 208 Vorkommen ein neues Konzept entgegengestellt werden. Sogenannte Schnelle Brüter arbeiten auf der Basis von Plutonium 239 und produziert mehr spaltbares Material als sie verbrauchen. Das Kernkraftwerk wurde 1985 fertig gestellt.

Da das Projekt nach der atomaren Katastrophe in Tschernobyl 1986 politisch nicht mehr durchsetzbar war und auch die Wirtschaftlichkeit aufgrund entgegen früherer Prognosen weitaus größerer verfügbarer Uranvorkommen und weniger stark gestiegenen Strombedarfs nicht mehr gegeben war, wurde es 1991 eingestellt ohne jemals mit radioaktivem Material ausgestattet und in Betrieb genommen worden zu sein.

 

 

1995 kaufte der Niederländer Hennie van der Most die Anlage und baute unter Einbeziehung von Teilen der Gebäude die Erholungs- und Freizeitanlage Wunderland Kalkar. Sie wird heute von jährlich 230.000 bis 300.000 Gästen genutzt.

 

KdF Seebad – Erholungsort Prora

Von 1936 bis 1939 wurde das Kraft durch Freude Seebad Rügen gebaut aber wegen des Beginns das 2. Weltkriegs nicht vollendet. Es war mit 10.000 vergleichsweise kleinen, spärlich ausgestatteten Zimmern mit Meerblick für 20.000 Menschen ausgelegt. Das Leben sollte in großen Gemeinschaftsräumen stattfinden. Das ursprünglich 4,5 km lange Gebäude wurde nach dem Krieg bis auf 2,5 km geprengt und diente der Nationalen Volksarmee der DDR als Großkaserne. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde der Komplex bis 1992 von der Bundeswehr übernommen, dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, unter Denkmalschutz gestellt und als Museum und Jugendherberge genutzt.

 

Ab 2010 wurde  Prora zum Seebad und Erholungsort entwickelt - zunächst durch den Bau einer neuen Jugendherberge und später durch private und öffentliche Investitionen in Hotels und Apartmentanlagen.

 

CargoLifter – Tropical Islands

Ziel der 1996 gegründeten Cargolifter AG war die Bau und Betrieb von Lastenluftschiffen, welche bis zu 160 Tonnen schwere Lasten transportieren sollten. Hierfür wurde im Jahre 2000 auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens in Brandenburg die mit 360 Meter Länge, 210 Meter Breite und 107 Meter Höhe weltweit größte freitragende Halle errichtet. Kostensteigerungen und fehlende weiter Investitionsbereitschaft führten zur Insolvenz des Unternehmens im Jahre 2002.

 

Im Jahre 2003 wurden das Gelände und die Werfthalle an einen Investor veräußert. Die Halle wurde umgebaut und wird seit 2004 als tropischer Freizeitpark Tropical Islands von 1,3 Millionen (2019) Besuchern jährlich genutzt.

 

Denkstätte Bunker Valentin Bremen 

Von 1943 bis März 1945 wurde nach Plänen des nationalsozialistischen Rüstungsministerium unter Einsatz von über zehntausend Zwangsarbeitern eine U-Boot-Werft im Bremer Stadtteil Farge gebaut. Ziel war es, pro Monat 14 U-Boote fertig zu stellen. Die Werft wurde als über 400 Meter langer Bunker mit bis zu sieben Meter dicken Decken konzipiert. Die Bauarbeiten wurden nach Bombengriffen der Alliierten im Februar 1945 eingestellt. Die Werft war damals zu 95% fertig gestellt. Tausende der Zwangsarbeiter verloren beim Bau dieses größten Rüstungsprojekts der Kriegsmarine ihr Leben.

Nach dem Kriege diente der Bunker zunächstder Royal Airforce und der US Airforce als Ziel für betonbrechende Bomben. Nachdem eine Sprengung der Gesamtanlage nicht möglich erschien, eine Umwandlung in einen begrünten Hügel mangels ausreichendem Erdmaterial nicht durchgeführt werden konnte und angedachte Umnutzungen als Kühlhaus, Kernreaktor und Freizeitstätte sowie zur Lagerung amerikanischer Atomwaffen nicht umgesetzt wurden, diente der Bunker der Bundeswehr von 1960 bis 2010 als Lager.

 

Seit 2015 ist der Denkort Bunker Valentin mit einem Informationszentrum als Relikt des Größenwahns und der menschenverachtenden Ideologie des nationalsozialistischen Regims der Öffentlichkeit zugänglich. Gleichzeitig ist er Kulisse eines Naherholungsgebiets mit Badestrand und Campingplatz vor der geplanten U-Boot-Schleuse.

 

Flughafen Berlin-Tempelhof

Das Tempelhofer Feld dient bereits 1909 für Vorführungen erster motorgetriebener Flüge. 1923 wurde der Bau eines Flughafens beschlossen und 1927 mit der ersten Bauphase abgeschlossen. 1934 wurde mit der Planung eines Neubaus für bis zu sechs Millionen Passagiere pro Jahr begonnen. Die Bauarbeiten für das seinerzeit weltweit flächengrößte Gebäude begannen 1936 und endeten 1941. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude unter Einsatz von Zwangsarbeitern auch zur Produktion von Kampfflugzeugen genutzt. Die von Hitler angeordnete Selbstzerstörung kurz vor Kriegsende wurde durch den Suizid des Flughafenkommandanten Rudolf Böttger verhindert.

Nach Kriegsende diente der Flughafen von Juni 1948 bis Mai 1949 als Ziel der Luftbrücke, über die Westberlin während der Blockade mit Lebensmitteln, Treibstoff und anderen Gütern durch die Amerikaner und Britten versorgt wurde. Von 1951 bis 1975 wurde Tempelhof für die zivile Luftfahrt geöffnet, von 1981 bis 2008 für kleine Flugzeuge der zivilen Luftfahrt wieder geöffnet und 2008 abschließend geschlossen.

 

Seit 2010 ist der Tempelhofer Park der Öffentlichkeit als Freizeitfläche zugänglich. Teile des Flugfeldes und Hangars wurden von 2015 bis 2018 als Notunterkünfte für Geflüchtete verwendet. Das Flughafengebäude selbst wird insbesondere für kulturelle Veranstaltungen genutzt und ist der Öffentlichkeit über Führungen zugänglich.

 

Meidericher Hüttenwerk –

         Landschaftspark Duisburg-Nord

1901 begann Alfred Thyssen mit dem Bau des ersten Hochofens des Meidericher Hüttenwerks auf dem bis dahin überwiegend landwirtschaftlich genutzten Gelände. Bis 1912 kamen vier weitere Hochöfen hinzu. Die Lage war aufgrund der Nähe zu bestehenden Kohlefeldern optimal. Das Hüttenwerk profitierte vom hohen Roheisenbedarf der Marine unter Kaiser Wilhelm II. Im zweiten Weltkrieg wurde das Hüttenwerk durch Bombenangriffe stark beschädigt, und die Produktion wird 1943 eingestellt. Ab 1950 wurden die Anlagen modernisiert und produzierten bis zur Stilllegung im Jahre 1985 Spezialroheisensorten.

1988 erwirbt das Land Nordrhein-Westfalen das Gelände. Ein Abriss der Anlagen ist wirtschaftlich aufwändiger als der Erhalt als Denkmal einer Industrie, die für mehr als 80 Jahre das Leben der Region prägte.

 

Als Kern des heutigen Landschaftsparks Duisburg-Nord ist das Hüttenwerk seit 1994 öffentlich zugängliches Zentrum für Naherholung, Sport und Freizeit sowie kulturelle Veranstaltungen.

 

Fliegerhorst Oldenburg –

           Smart City Helleheide

1933 wurde im Norden der Stadt Oldenburg auf der unbesiedelten Alexanderheide ein Flugplatz eröffnet, der 1936 von der Luftwaffe als Fliegerhorst übernommen wurde. Im zweiten Weltkrieg diente der Fliegerhorst mehreren Jagdgeschwadern als Flugplatz. 1951 übernahm die Royal Airforce den Flugplatz und ertüchtigte die Start- und Landebahn. Die Royal Airforce übergab ihn 1957 an die Luftwaffe der Bundeswehr, die ihn bis 1994 als Flugplatz nutzte. Bis zur endgültigen Auflassung des Fliegerhorstes Oldenburg im Jahre 2006 war er Sitz einer Flugabwehrraketengruppe.

 

Im Jahre 2011 erwarb die Stadt Oldenburg erste Gebäude sowie eine große Teilfläche des Geländes zur Errichtung eines 14 MW Solarparks auf und neben der Start- und Landebahn, deren Rückbau wirtschaftlich nicht darstellbar war. 2014 kaufte die Stadt weitere über 100 Hektar des Fliegerhorsts zur Entwicklung eines neuen Stadtteils Helleheide. Unter intensiver Bürgerbeteiligung entstand dafür ein Zukunftsplan 2030+, der in Teilen als Smart City Oldenburg realisiert werden soll.

 

Frankfurt - Kornmarkt Arkaden

Die Ursprünge des „Kornmarkt“ in Frankfurt gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Bis in das 18. Jahrhundert war er der Handelsplatz für Früchte und Getreide, Standort großbürgerlicher Stadtpaläste sowie Zentrum für Buchdrucker, Buchhändler und Geburtsstätte der Frankfurter Buchmesse. Das komplette Areal mit einzigartigen Altstadthäusern wurde zuerst im 19. Jahrhundert Opfer der Expansion Frankfurts und dann im zweiten Weltkrieg 1944 Opfer mehrerer Luftangriffe. Von 1951 bis 1953 entstand am südlichen Teil das Hochhaus des Bundesrechnungshofs Frankfurt.

 

Im Jahre 2000 wurde der Sitz des Bundesrechnungshofs nach Bonn verlegt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde mehrfach an Investoren weiterveräußert. Nach einer Einigung des letzten Eigentümers mit dem Landesamt für Denkmalpflege konnten Teile des Gebäudes abgerissen werden. Unter Wahrung der Außenfassade des Hauptgebäudes entstanden 2018 die Kornmarkt Arkaden mit Flächen für Wohnungen, Büros, ein Hotel und Gastronomie.

 

Kali und Salz Bergbau

In dem seinerzeit weltgrößten Kalibergwerk Merkers wurde von 1925 bis 1991 Kalisalz gefördert. Das Bergwerk verfügt über ein Streckennetz von ca. 4600 Kilometern unter der Erde. Das Werk gehörte unterschiedlichen Konzernen, war in der ehemaligen DDR Teil verschiedener volkseigener Betriebe, wurde durch die Treuhand in die Kali-Werra AG überführt und schließlich 1993 mit der Kali und Salz GmbH fusioniert, die den Betrieb einstellte.

Seit dem dient Merkers als Erlebnisbergwerk für Rundfahrten unter Tage und Großveranstaltungen. In dem ehemaligen Großbunker auf 500 Meter Tiefe finden Konzerte und Sportveranstaltungen statt, beispielsweise der Kristallmarathon.

 

Die oberirdischen Abraumhalden prägen das Werratal wie auch andere Standorte des Kalibergbaus. Die Kali und Salz GmbH führt aufwändige Projekte zur Renaturierung beispielsweise der Halde des Bergwerks Sigmundshall bei Hannover durch.